Bewertungen und Meinungen von Mitgliedern des Dialogforums zur A 33 Nord

Position der Vollversammlung der IHK Osnabr├╝ck-Emsland-Grafschaft Bentheim:

ÔÇ×Nach dem L├╝ckenschluss der A 33 zwischen Bielefeld und Osnabr├╝ck ist mit einer erheblichen Steigerung des Verkehrsaufkommens bis zum derzeitigen Autobahnende bei Belm zu rechnen. Das vorhandene Stra├čennetz kann diese zus├Ątzlichen Verkehre nicht mehr aufnehmen. Dies gilt sowohl f├╝r die im Stadtgebiet von Osnabr├╝ck stark frequentierte A 30 wie f├╝r das Stra├čennetz im Osten Osnabr├╝cks. Eine Zunahme des Transitverkehrs durch die Innenstadt ist zu bef├╝rchten. Der Stadt Osnabr├╝ck fehlt bisher ein geschlossener ├Ąu├čerer Autobahnring zur Umfahrung des Stadtgebietes.

Die A 33 Nord als leistungsf├Ąhige ├Âstliche Umgehung w├╝rde die dringend notwendige Entlastung des innerst├Ądtischen Verkehrssystems erm├Âglichen. Bei Staus auf den vorhandenen stadtnahen Autobahnen f├╝hren Umleitungen bislang durch die Innenstadt. Dies verursacht erhebliche Verkehrsst├Ârungen, die durch den L├╝ckenschluss der A 33 Nord weitgehend vermieden werden k├Ânnten. Schlie├člich erspart die Weiterf├╝hrung der A 33 bis zur A 1 Zeit und Kosten im ├╝berregionalen und im regionalen Verkehr, da der Umweg ├╝ber die A 30 und das Autobahnkreuz Lotte/Osnabr├╝ck nicht mehr erforderlich ist und Standorte besser an das Fernstra├čennetz angebunden werden. Dies gibt der wirtschaftlichen Entwicklung wichtige Impulse.ÔÇť

Bernhard Wellmann, B├╝rgermeister der Gemeinde Belm:

"Der Gro├čraum Osnabr├╝ck ist bereits jetzt mit den Autobahnen A 1 und A 30 verkehrstechnisch engmaschig erschlossen und ├╝berregional gut angebunden. F├╝r politisches und planerisches Handeln besteht die Verpflichtung, mit den nicht vermehrbaren landschaftlichen Ressourcen sorgsam umzugehen und angesichts der sozialr├Ąumlichen und infrastrukturellen Dichte zus├Ątzlichen Belastungen vorzubeugen. Mit dem geplanten Bau der A 33 Nord wird weitere wertvolle Kultur- und Naturlandschaft belastet und zerst├Ârt. Der Schutzzweck der FFH-Gebiete im Franken Sundern (Staatsforst Palsterkamp) und im Bereich zwischen Powe und Icker kann nicht aufrechterhalten werden.

Landwirtschaftliche Fl├Ąchen und Lebensraum heimischer Wildtiere werden zerschnitten, Landschaftsraum zur Naherholung wird vernichtet. Die geplante Dammf├╝hrung der Autobahn im Bereich der L 109 f├╝hrt zu vermehrten L├Ąrmemissionen, die L 109 wird zum Autobahnzubringer mit verst├Ąrktem Verkehrsaufkommen. Um einer zuk├╝nftigen Verkehrsentwicklung im Gro├čraum Osnabr├╝ck Rechnung zu tragen, bietet sich als Alternative, vorhandene Verkehrswege auszubauen und zu optimieren.

Die Gemeinde Belm lehnt daher den geplanten Bau der A 33 Nord ab. Der Rat der Gemeinde Belm hat auf seiner Sitzung am 05.12.2007 mehrheitlich einen entsprechenden Beschluss gefasst."

Erhard Fricke, Erster Vors. des B├╝rgervereins Haste e. V.; zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der B├╝rgervereine in Osnabr├╝ck:

"Bei allem Respekt vor den Belangen der Kritiker dieses Projektes bin ich davon ├╝berzeugt, dass die Anforderungen des Landschafts-, Natur- und Artenschutzes in einen Ausbau des L├╝ckenschlusses wirksam einbezogen werden k├Ânnen. Die Entzerrung des Verkehrsknotens Osnabr├╝ck-S├╝d/Lotte-Osnabr├╝ck zu einem Dreieck, das Osnabr├╝ck umgibt, erm├Âglicht eine z├╝gige Vorbeifahrt am Ballungsraum Osnabr├╝ck, eine optimale Erreichbarkeit der verschiedenen Zonen des Wirtschaftsschwerpunktes, vermeidet den Abk├╝rzungsverkehr durch die Stadt und erm├Âglicht intelligente Umleitungsvarianten.

Wenn die im Bau befindliche Verbindung der neuen Ortsumgehung Belm (B 51) mit der A 33 im Bereich Vehrter Landstra├če fertig gestellt ist, wird die Verbindung von der A 33 zur A 1 ├╝ber die Vehrter Landstra├če, Bramscher Stra├če noch intensiver vom Abk├╝rzungsverkehr genutzt werden und die Belastung der Dodesheide und Hastes mit der Kreuzung Haster M├╝hle und Bramscher Stra├če um ein Vielfaches verst├Ąrkt. Das sind bereits jetzt Bereiche, die vom innerst├Ądtischen Verkehrsaufkommen besonders belastet, oftmals ├╝berlastet sind.

Die Weiterf├╝hrung der A 33 ├╝ber die neue Anschlussstelle der neuen B 51 hinaus nach Norden als L├╝ckenschluss an die A 1 wird nach Fertigstellung dieser bereits im Bau befindlichen Ma├čnahme noch dringender. Ich spreche mich pers├Ânlich ausdr├╝cklich f├╝r den Ausbau des L├╝ckenschlusses der A 33 Nord aus."

Ludger Pott, Landesj├Ągerschaft Niedersachsen e.V.:

"Die Landesj├Ągerschaft Niedersachsen e.V. und die J├Ągerschaft Osnabr├╝ck Stadt e.V. lehnen den Bau der A 33 Nord ab. Die A 33 Nord verunstaltet das Landschaftsbild der gewachsenen Kulturlandschaft des nordwestlichen Osnabr├╝cker H├╝gellandes mit seinen W├Ąldern, Wiesen, ├äckern, dem Bachlauf der Nette/Ruller Flut und darin eingebetteten Einzelgeh├Âften und Siedlungen bis zur Unkenntlichkeit. Sie verl├Ąrmt die Landschaft und vernichtet eine wertvolle Erholungslandschaft. F├╝r viele Tierarten entsteht ein un├╝berwindbares Hindernis (Zerschneidungseffekte) mit der Folge genetischer Verarmung. Sperrz├Ąune f├╝hren zu Verkehrsopfern bei den Tieren. Ca. 45 ha Lebensraum f├╝r Menschen, Tiere und Pflanzen werden vernichtet, f├╝r die Stra├če selbst und erforderliche Kompensationsma├čnahmen werden landwirtschaftliche Nutzfl├Ąchen in noch weit gr├Â├čerem Umfang in Anspruch genommen.

Die A 33 Nord durchschneidet FFH-Gebiete, beeintr├Ąchtigt diese durch Vernichtung von Fledermauslebensr├Ąumen und durch stoffliche Eintr├Ąge erheblich, trennt Fernwanderwege des Schalenwildes, zerschneidet Jagdreviere, zerst├Ârt m├Âglicherweise Eigenjagdbezirke, entwertet Eigentum und erschwert die gesetzliche Hegeverpflichtung massiv. Da es Alternativen zur A 33 Nord gibt, ist die Autobahn nach internationalem und nationalem Recht unzul├Ąssig. In ├Ąhnlich gelagerten F├Ąllen hat das Bundesverwaltungsgericht bereits Grenzen gesetzt.

Die J├Ągerschaft wird sich weiter dem konstruktiven Dialog stellen sowie Anregungen und Bedenken einbringen."

Dr. Winfried Wilkens, Kreisrat des Landkreises Osnabr├╝ck:

"Der Landkreis Osnabr├╝ck setzt sich seit vielen Jahren f├╝r den L├╝ckenschluss Nord der A 33 ein. Sp├Ątestens mit der Inbetriebnahme des L├╝ckenschluss S├╝d zwischen Bielefeld und dem heutigen Ausbauende der A 33 des dortigen Abschnitts, ist mit einer deutlichen Verkehrszunahme zu rechnen. Ein Teil dieser Verkehre wird sich am Osnabr├╝cker S├╝dkreuz f├╝r eine Weiterfahrt auf der A 33 entscheiden ÔÇô nicht nur, wenn auf der A 30, im Bereich des Lotter Kreuzes oder der A 1 durch Bauarbeiten, Unf├Ąlle oder hohes Verkehrsaufkommen St├Ârungen auftreten. Die Verkehrsbelastung in den Bereichen Belm, Icker, Rulle wird steigen ÔÇô mit und ohne Autobahn. Unsere Region ist wirtschaftsstark.

Der L├╝ckenschluss Nord wird die Erschlie├čung bisher benachteiligter Teile des Kreisgebietes verbessern. Das gilt z.B. f├╝r die Gemeinden des Wittlager Landes. Der Landkreis setzt sich auch f├╝r andere wichtige Projekte zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ein, auch auf der Schiene oder der Wasserstra├če. Eine Ma├čnahme, die den L├╝ckenschluss Nord der A 33 entbehrlich machen und vergleichbare verkehrliche und infrastrukturelle Effekte erzielen w├╝rde, ist nicht in Sicht.

Nat├╝rlich wird der L├╝ckenschluss zu sp├╝rbaren Belastungen in den betroffenen Bereichen f├╝hren. Das zu leugnen, w├Ąre unehrlich. Es gilt, in den bevorstehenden Planungs- und Genehmigungsverfahren f├╝r eine m├Âglichst wenig belastende Ausgestaltung des Projektes zu werben."